Rechtsprechungsübersicht Behördenentscheide

Im letz­ten Bei­trag der Be­hör­den­se­rie stel­len wir vier weg­wei­sen­de Ent­schei­de des Ver­wal­tungs­ge­richts Zü­rich vor, und er­ör­tern an­hand der Ent­scheid­be­spre­chun­gen wich­ti­ge prak­ti­sche The­men. Die Ent­schei­de zei­gen, dass es auch in Zu­kunft schwie­rig sein wird, vor­aus­zu­se­hen, wie die Ge­rich­te mit der Fra­ge der An­wend­bar­keit des Per­so­nal­rechts auf die Be­hör­den um­ge­hen wer­den, da sich hier­zu kei­ne wi­der­spruchs­freie Pra­xis er­ken­nen lässt.

Voraussetzungen für Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

Ei­nem schon et­was äl­te­ren Ent­scheid des Ver­wal­tungs­ge­richts Zü­rich (PB.1999.00023 vom 19.4.2000) lag – sehr ver­ein­facht – fol­gen­der Sach­ver­halt zu­grun­de: Die Be­schwer­de­füh­re­rin war auf Amts­dau­er ge­wähl­tes Mit­glied ei­ner Für­sor­ge­be­hör­de und gleich­zei­tig ei­ne von der Für­sor­ge­be­hör­de be­stell­te Ver­wal­te­rin des Für­sor­ge­ver­bands, dem die Ge­mein­de an­ge­hör­te. In bei­den Funk­tio­nen be­zog sie Ent­schä­di­gun­gen. Am 5. März 1996 er­litt die Be­schwer­de­füh­re­rin ei­nen Hirn­schlag und war seit­her ar­beits­un­fä­hig; die Ent­schä­di­gung als Ver­wal­te­rin wur­de ihr noch bis En­de März 1996 aus­be­zahlt; spä­ter er­hielt sie ab­ge­se­hen von ei­ni­gen Sit­zungs­gel­dern kei­ne wei­te­ren Ent­schä­di­gun­gen. Seit 1. März 1997 be­zieht sie ei­ne IV-Ren­te von mo­nat­lich Fr. 1’596.-. Vor Ver­wal­tungs­ge­richt war die Fra­ge strit­tig, ob ihr ei­ne Lohn­fort­zah­lung zu­kam. Zur Be­grün­dung wur­de un­ter Hin­weis auf die Um­stän­de der Be­schäf­ti­gung der Be­schwer­de­füh­re­rin vor­ge­bracht, die­se ha­be ih­re Ar­beits­leis­tung für den Be­schwer­de­geg­ner im Rah­men ei­nes öf­fent­lich-recht­li­chen Dienst­ver­hält­nis­ses er­bracht; dass sie sel­ber auch Mit­glied der vor­ge­setz­ten Be­hör­de ge­we­sen sei, spie­le kei­ne Rol­le. Sie ha­be des­halb wie die üb­ri­gen Ar­beit­neh­me­rin­nen des Be­schwer­de­geg­ners An­spruch auf Lohn­fort­zah­lung im Krankheitsfall.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt kam zum Schluss, dass es für die von der Be­schwer­de­füh­re­rin ver­foch­te­ne Auf­fas­sung, sie sei für den Be­schwer­de­geg­ner im Rah­men ei­nes öf­fent­lich-recht­li­chen Dienst­ver­hält­nis­ses tä­tig ge­we­sen, kei­ne An­halts­punk­te ge­be. Ab­ge­se­hen da­von, dass der Be­schwer­de­füh­re­rin das Amt ei­ner Ver­wal­te­rin im Rah­men des Kon­sti­tu­ie­rungs­be­schlus­ses und so­mit in ih­rer Ei­gen­schaft als Be­hör­den­mit­glied über­tra­gen wor­den sei, wur­de aus­drück­lich fest­ge­hal­ten, dass die Be­schwer­de­füh­re­rin die Tä­tig­keit ei­ner Ver­wal­te­rin nicht im An­stel­lungs­ver­hält­nis aus­üben wer­de. Aber: «Wenn wie im Fall der Be­schwer­de­füh­re­rin die Be­hör­den­tä­tig­keit nicht bloss in der Teil­nah­me an ge­le­gent­li­chen Sit­zun­gen be­steht und mit ei­nem Sitzungs‑ oder Tag­geld ab­ge­gol­ten wird, son­dern dem Be­hör­den­mit­glied ein Auf­ga­ben­be­reich über­tra­gen wird, des­sen Be­wäl­ti­gung ei­ne re­gel­mäs­si­ge Ar­beits­leis­tung im Um­fang von rund 50 % der üb­li­chen Ar­beits­zeit er­for­dert und ent­spre­chend mit Jah­res­pau­scha­len von ins­ge­samt Fr. 35’000.‑ ent­schä­digt wird, so kommt ei­ne sol­che Be­hör­den­tä­tig­keit in wirt­schaft­li­cher Hin­sicht ei­ner Teil­zeit­stel­le gleich. Das gilt für das Ge­mein­we­sen, das dank der Tä­tig­keit des be­tref­fen­den Be­hör­den­mit­glieds kei­ne ent­spre­chen­de An­stel­lung vor­neh­men muss, wie für das Be­hör­den­mit­glied, das durch sei­ne Tä­tig­keit ein re­gel­mäs­si­ges und sub­stan­zi­el­les Er­werbs­ein­kom­men er­zielt». Weil aber das kom­mu­na­le Recht der Ge­mein­de kei­ne Be­stim­mun­gen be­tref­fend Lohn­fort­zah­lung von Be­hör­den­mit­glie­dern vor­sah, warf das Ver­wal­tungs­ge­richt die Fra­ge nach ei­ner Lü­cke in den mass­geb­li­chen Vor­schrif­ten auf und kam zum Schluss, dass sich ein Rück­griff auf das kan­to­na­le Per­so­nal­recht vor­lie­gend recht­fer­ti­ge, weil ein ent­spre­chen­des Re­gle­ment des Für­sor­ge­ver­bands fehl­te. Das kan­to­na­le Recht reg­le die Fra­ge der Lohn­fort­zah­lung zwar in ers­ter Li­nie für das im Anstellungs‑ oder Be­am­ten­ver­hält­nis tä­ti­ge Per­so­nal. Der Re­gie­rungs­rat kön­ne ge­mäss § 2 Per­so­nal­ge­setz Be­hör­den im Ne­ben­amt in­des dem Per­so­nal­ge­setz un­ter­stel­len, von wel­cher Kom­pe­tenz er in § 2 der Per­so­nal­ver­ord­nung be­züg­lich zahl­rei­cher ne­ben­amt­lich tä­ti­ger Be­hör­den Ge­brauch ge­macht hat. Dar­aus schloss das Ver­wal­tungs­ge­richt, dass die Be­stim­mun­gen über die Lohn­fort­zah­lun­gen des kan­to­na­len Per­so­nal­rechts auf dem Weg der Lü­cken­fül­lung vor­lie­gend auch an­wend­bar sind, und sprach der Be­schwer­de­füh­re­rin ei­nen An­spruch auf zwölf­mo­na­ti­ge Lohn­fort­zah­lung ab Krank­heits­be­ginn zu.

Keine sinngemässe Anwendung des kantonalen Personalrechts auf Behörden

In ei­nem rund fünf Jah­re spä­ter er­gan­ge­nen Ent­scheid (VB.2014.00420 vom 8.7.2015) hat­te ein vom Be­zirks­rat auf sein Ge­such hin aus dem Amt ent­las­se­ner Schul­pfle­ge­prä­si­dent nach­träg­lich die Wei­ter­ent­schä­di­gung bis zum En­de sei­ner Amts­dau­er ge­for­dert. Das Be­hör­den­mit­glied mach­te im We­sent­li­chen gel­tend, es ha­be den Be­zirks­rat zwar um Ent­las­sung aus dem Amt er­sucht, dies aber nicht frei­wil­lig ge­tan, son­dern un­ter dem Ein­druck ei­ner Dro­hung des Be­zirks­rats, ihm bei aus­blei­ben­dem Rück­tritt we­sent­li­che Be­fug­nis­se als Be­hör­den­mit­glied zu ent­zie­hen. Sinn­ge­mäss mach­te er da­mit gel­tend, es ha­be sich fak­tisch um ei­ne – un­recht­mäs­si­ge – Ent­las­sung aus dem Amt durch den Be­zirks­rat ge­han­delt. Die Vor­in­stanz – ein vom Re­gie­rungs­rat we­gen ver­mu­te­ter Be­fan­gen­heit des zu­stän­di­gen Be­zirks­rats ein­ge­setz­ter an­de­rer Be­zirks­rat – kam zum Schluss, das Ent­las­sungs­ge­such ha­be nicht dem frei­en Wil­len des Be­hör­den­mit­glieds ent­spro­chen, son­dern sei we­gen ei­ner rechts­wid­ri­gen An­dro­hung des Be­zirks­rats er­folgt, ihm auf­sichts­recht­lich we­sent­li­che Kom­pe­ten­zen zu ent­zie­hen. Aus die­sem Grund hielt der ur­tei­len­de Be­zirks­rat den Be­schluss sei­ner Be­hör­den­kol­le­gen für “nicht wei­ter be­acht­lich”. Dar­aus fol­ger­te er, dass der Be­schwer­de­füh­rer fi­nan­zi­ell so zu stel­len sei, wie wenn er das Amt als Prä­si­dent der Schul­pfle­ge bis zum En­de der Amts­dau­er aus­ge­übt hät­te. Das Be­hör­den­mit­glied hat­te aus­ser­dem ei­ne Ab­fin­dung in Hö­he von 10 Mo­nats­löh­nen ver­langt, weil es sein Ent­las­sungs­ge­such nicht frei­wil­lig ge­stellt ha­be, wes­halb es fak­tisch un­ver­schul­det ent­las­sen wor­den sei. Die­ses Ge­such hat­te die Vor­in­stanz ab­ge­wie­sen mit Ver­weis dar­auf, dass auf­grund der Un­be­acht­lich­keit des Ent­las­sungs­ent­scheids das Be­hör­den­mit­glied so ge­stellt wor­den sei, wie wenn es sein Amt bis zum En­de der Amts­dau­er aus­ge­führt hät­te. Wäh­rend das Be­hör­den­mit­glied den Ent­scheid der Vor­in­stanz ans Ver­wal­tungs­ge­richt wei­ter­zog, um sei­ne Ab­fin­dung ein­zu­for­dern, zog die be­tref­fen­de Ge­mein­de den Ent­scheid wei­ter, weil sie den vor­in­stanz­li­chen Be­schluss be­tref­fend Un­be­acht­lich­keit der Ent­las­sung für rechts­wid­rig hielt.

Der Ar­gu­men­ta­ti­on der Vor­in­stanz be­tref­fend Un­be­acht­lich­keit konn­te das Ver­wal­tungs­ge­richt nichts ab­ge­win­nen. Es hielt da­für, dass ei­ne sol­che Be­trach­tungs­wei­se nur bei Nich­tig­keit der Aus­gangs­ver­fü­gung in Be­tracht kom­me. Nich­tig sei die­se Ver­fü­gung in­des nicht, weil sie nicht an ei­nem schwe­ren Man­gel lei­de, wo­zu ins­be­son­de­re die be­haup­te­te Druck­aus­übung nicht rei­chen wür­de. Auch aus Grün­den der Rechts­si­cher­heit (die Be­hör­de wä­re bei An­nah­me der Nich­tig­keit über meh­re­re Jah­re falsch zu­sam­men­ge­setzt ge­we­sen, was wie­der­um gros­se Un­si­cher­heit be­tref­fend das recht­li­che Schick­sal zahl­lo­ser von ihr ge­fäll­ter Be­schlüs­se ge­schaf­fen hät­te) sei nicht von Nich­tig­keit aus­zu­ge­hen. Ein Re­vi­si­ons­grund für den un­an­ge­foch­ten ge­blie­be­nen Be­schluss sei eben­falls nicht er­kenn­bar und ein ent­spre­chen­des Be­geh­ren wä­re oh­ne­hin ver­wirkt. Da­mit kam das Ver­wal­tungs­ge­richt zum Schluss, dass kein An­spruch auf Ent­schä­di­gung be­stehe, weil das Be­hör­den­mit­glied nach sei­nem Aus­schei­den aus der Be­hör­de kei­ne Leis­tun­gen mehr er­bracht habe.

Be­tref­fend die vom Be­hör­den­mit­glied gel­tend ge­mach­te Ab­fin­dung in Hö­he von 10 Mo­nats­löh­nen muss­te sich das Ver­wal­tungs­ge­richt zu­nächst mit der Fra­ge aus­ein­an­der­set­zen, ob die an­ge­ru­fe­ne per­so­nal­recht­li­che Be­stim­mung, wel­che ei­nen Ab­fin­dungs­an­spruch bei un­ge­recht­fer­tig­ter Ent­las­sung vor­sieht, über­haupt ein­schlä­gig ist.

Es hielt da­für: «Aus dem Wort­laut so­wie dem Zweck der Re­ge­lung und dem per­sön­li­chen Gel­tungs­be­reich des Per­so­nal­ge­set­zes folgt, dass die sinn­ge­mäs­se An­wen­dung des kan­to­na­len Per­so­nal­ge­set­zes und sei­ner Aus­füh­rungs­er­las­se nur das An­stel­lungs­ver­hält­nis des Per­so­nals von Ge­mein­den be­trifft, hin­ge­gen nicht das Rechts­ver­hält­nis zwi­schen ei­ner Ge­mein­de und ei­nem Be­hör­den­mit­glied. Wie dies auf kan­to­na­ler Ebe­ne § 2 Per­so­nal­ge­setz für Mit­glie­der ei­ner Ge­richts- oder Ver­wal­tungs­be­hör­de im Ne­ben­amt vor­sieht, kä­me die sub­si­diä­re An­wen­dung des Per­so­nal­ge­set­zes für Mit­glie­der von Ge­mein­de­be­hör­den dem­nach nur in Fra­ge, wenn die kom­mu­na­le Re­ge­lung aus­drück­lich dar­auf ver­wie­se. Ei­ne sol­che Ver­wei­sung lässt sich der hier in­ter­es­sie­ren­den Ver­ord­nung nicht ent­neh­men. Dies schliesst ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung von Be­stim­mun­gen des kan­to­na­len Per­so­nal­rechts auf das Rechts­ver­hält­nis zwi­schen Be­hör­den­mit­glie­dern und der Ge­mein­de im Rah­men rich­ter­li­cher Lü­cken­fül­lung nicht aus, setz­te aber je­den­falls vor­aus, dass die kom­mu­na­len Be­stim­mun­gen hin­sicht­lich ei­ner Fra­ge, die zur An­wen­dung des Ge­set­zes zwin­gend ei­ner Re­ge­lung be­darf, ei­ne Lü­cke auf­wie­sen […]». Dies tref­fe auf die Fra­ge, ob ei­nem Be­hör­den­mit­glied ei­ne Ab­fin­dung zu­zu­spre­chen sei, nicht zu, weil kein ge­ne­rel­ler An­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung be­stehe. Ein sol­cher An­spruch setz­te auf­grund des Le­ga­li­täts­prin­zips viel­mehr ei­ne aus­drück­li­che ge­setz­li­che Grund­la­ge im kom­mu­na­len Recht vor­aus, an der es vor­lie­gend fehle.

Da­mit hat das Ver­wal­tungs­ge­richt ei­nen ab­so­lut ver­gleich­ba­ren Fall wie in sei­nem Ent­scheid PB.1999.00023 vom 19.4.2000 ge­nau um­ge­kehrt ent­schie­den. Es hielt die An­wen­dung des kan­to­na­len Per­so­nal­rechts eben ge­ra­de nicht für zu­läs­sig, weil § 2 Per­so­nal­ge­setz nur in den­je­ni­gen Fäl­len qua Lü­cken­fül­lung her­an­zu­zie­hen sei, in de­nen das kom­mu­na­le Recht ei­ne ge­setz­li­che Grund­la­ge aufweise.

Personalrechtlicher Charakter von Streitigkeiten betreffend Behördenmitglieder

In ei­nem 2017 er­gan­ge­nen Ent­scheid (VB.2017.00168 vom 6.9.2017) hat­te das Ver­wal­tungs­ge­richt ein­mal mehr zu prü­fen, ob bzw. in­wie­fern ei­ne Strei­tig­keit be­tref­fend Be­hör­den­mit­glie­dern per­so­nal­recht­li­cher Na­tur ist. Ei­ne Schul­pfle­ge hat­te sich wäh­rend lau­fen­der Amts­dau­er neu kon­sti­tu­iert, wes­halb ei­nem Mit­glied durch sei­nen Res­sort­ent­zug ei­ne Zu­satz­ent­schä­di­gung, wel­che mit der frü­he­ren Res­sort­tä­tig­keit ver­bun­den war, fort­an nicht mehr aus­ge­zahlt wur­de. Vor Ver­wal­tungs­ge­richt stell­te sich die­ses Mit­glied nun auf den Stand­punkt, die Neu­kon­sti­tu­ie­rung hät­te wie ei­ne frist­lo­se, un­ge­recht­fer­tig­te Kün­di­gung gewirkt.

Zu­nächst gab das Ver­wal­tungs­ge­richt sei­ne Recht­spre­chung zur Fra­ge der An­wen­dung des Per­so­nal­rechts auf Be­hör­den­strei­tig­kei­ten wie­der und schloss aus die­ser, dass es von den Um­stän­den des kon­kre­ten Ein­zel­falls ab­hän­ge, ob dem Mit­glied ei­ner Be­hör­de per­so­nal­recht­li­che An­sprü­che zu­stün­den. Dies sei nach der Pra­xis dann der Fall, «wenn ent­we­der die per­so­nal­recht­li­chen Be­stim­mun­gen auch für Be­hör­den­mit­glie­der an­wend­bar sind oder mit der Be­hör­den­tä­tig­keit Ar­beits­leis­tun­gen ver­bun­den sind, die üb­li­cher­wei­se im Rah­men ei­nes An­stel­lungs­ver­hält­nis­ses er­bracht wer­den». We­der be­haup­te die Be­schwer­de­füh­re­rin noch sei er­sicht­lich, dass sie in ih­rer Funk­ti­on als Schul­pfle­ge­mit­glied zu Ar­beits­leis­tun­gen ver­pflich­tet wä­re, die üb­li­cher­wei­se im Rah­men ei­nes An­stel­lungs­ver­hält­nis­ses er­bracht wer­den. Ge­mäss der Per­so­nal­ver­ord­nung der be­tref­fen­den Ge­mein­de rich­ten sich die Rechts­be­zie­hun­gen zwi­schen der Ge­mein­de und et­wa Mit­glie­dern der Schul­be­hör­de nach der kom­mu­na­len Ver­ord­nung über die Be­hör­den­ent­schä­di­gun­gen, wel­che aus­schliess­lich re­gelt, wie die Be­hör­den­tä­tig­keit ent­schä­digt wird. Da­mit er­ge­be sich we­der aus der Na­tur der Tä­tig­keit noch aus den an­wend­ba­ren Rechts­vor­schrif­ten, dass die Rechts­be­zie­hung zwi­schen der Be­schwer­de­füh­re­rin und der Be­schwer­de­geg­ne­rin per­so­nal­recht­li­cher Na­tur wä­re. Es prüf­te schliess­lich noch, ob die Neu­kon­sti­tu­ie­rung aus an­de­ren Grün­den rechts­wid­rig war. Hier­bei kam es zum Schluss, dass die Neu­kon­sti­tu­ie­rung, die wäh­rend lau­fen­der Amts­dau­er nur aus sach­lich zwin­gen­den Grün­den ge­recht­fer­tigt ist, vor­lie­gend zu Recht er­folg­te. Auf­grund der schwer be­las­te­ten Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen dem be­tref­fen­den Schul­pfle­ge­mit­glied und der Schul­lei­tung bzw. Schul­ver­wal­tung der Be­schwer­de­füh­re­rin schien die Zu­tei­lung ei­nes an­de­ren, mit we­ni­ger Kon­tak­ten zur Schul­lei­tung und zur Schul­ver­wal­tung ver­bun­de­nes Res­sort, als sach­lich begründet.

Nichtbeachten von Ausstandsgründen zieht keine Nichtigkeit des Entscheids nach sich

In ei­nem jüngst pu­bli­zier­ten Ent­scheid des Ver­wal­tungs­ge­richts Zü­rich (VB.2020.00882 vom 29.4.2021) hat­te sich die­ses mit der Fra­ge zu be­fas­sen, ob ein Be­schluss der An­stel­lungs­be­hör­de nich­tig sei, weil Aus­stands­pflich­ten miss­ach­tet wor­den sei­en, wie dies der be­schwer­de­füh­ren­de ehe­ma­li­ge Di­rek­tor von In­sti­tu­tio­nen ei­ner Ge­mein­de be­haup­te­te. Der Be­hör­den­be­schluss hat­te die Ab­leh­nung ei­nes Ge­suchs des Di­rek­tors zum Ge­gen­stand, der nach be­en­dig­tem Ar­beits­ver­hält­nis die Be­rich­ti­gung sei­nes Ar­beits­zeug­nis­ses und di­ver­se Zah­lun­gen – u.a. für nicht be­zo­ge­ne Fe­ri­en – for­der­te. Er mach­te im We­sent­li­chen gel­tend, ein be­stimm­tes Be­hör­den­mit­glied sei­ner vor­ge­setz­ten Be­hör­de hät­te in den Aus­stand tre­ten müs­sen, weil er sei­ne fi­nan­zi­el­len For­de­run­gen mit ei­nem Fehl­ver­hal­ten die­ses Mit­glieds be­grün­det hatte.

In den Aus­stand tre­ten muss re­gel­mäs­sig, (so auch vor­lie­gend ge­stützt auf § 42 Abs. 1 Ge­mein­de­ge­setz des Kan­tons Zü­rich i.V.m. § 5a Ver­wal­tungs­rechts­pfle­ge­ge­setz des Kan­tons Zü­rich) wer in der Sa­che ein per­sön­li­ches In­ter­es­se hat, wer mit ei­ner Ver­fah­ren­s­par­tei eng ver­bun­den ist oder wer Ver­tre­ter ei­ner Par­tei ist oder für die­se in der glei­chen Sa­che tä­tig war. Im Sin­ne ei­ner Ge­ne­ral­klau­sel muss ei­ne Per­son im­mer auch dann in den Aus­stand tre­ten, wenn sie auf­grund an­de­rer Um­stän­de in der Sa­che be­fan­gen er­scheint. Zum Teil nennt das Ge­setz ei­nen be­stimm­ten Ver­wandt­schafts­grad als Aus­stands­grund (so z.B. auf Bun­des­ebe­ne das Ver­wal­tungs­ver­fah­rens­ge­setz, wo­nach al­le, die «mit ei­ner Par­tei in ge­ra­der Li­nie oder bis zum drit­ten Gra­de in der Sei­ten­li­nie ver­wandt oder ver­schwä­gert» sind in den Aus­stand zu tre­ten ha­ben), zum Teil – wie im Kan­ton Zü­rich – ist die en­ge Ver­bun­den­heit An­knüp­fungs­punkt, die in ei­nem Ver­wandt­schafts­ver­hält­nis be­stehen kann, aber nicht muss. Aus­stands­grün­de sind die ein­zi­gen Aus­nah­men des Stimm­ab­ga­be­zwangs (vgl. un­se­ren Bei­trag «Knatsch in der Be­hör­de»). Lie­gen Aus­stands­grün­de vor, so füh­ren die­se zwin­gend da­zu, dass das be­tref­fen­de Be­hör­den­mit­glied von der Teil­nah­me an ei­nem Be­hör­den­ge­schäft aus­zu­schlies­sen ist.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt wie­der­hol­te zu­nächst die Recht­spre­chung zur Nich­tig­keit von un­ter Ver­let­zung von Aus­stands­pflich­ten er­gan­ge­nen Be­schlüs­sen, wo­nach  ei­ne Ver­let­zung der Aus­stands­pflicht nur in be­son­ders schwer­wie­gen­den Fäl­len die Nich­tig­keit ei­ner An­ord­nung zur Fol­ge hat. Die Nich­tig­keit fällt vor al­lem in Be­tracht, wenn ei­ne an der An­ord­nung mit­wir­ken­de Per­son per­sön­li­che In­ter­es­sen ver­folgt. Dies sah es vor­lie­gend nicht als er­füllt, selbst wenn das be­tref­fen­de Be­hör­den­mit­glied al­len­falls hät­te be­fürch­ten müs­sen, dass es bei ei­ner Gut­heis­sung der Scha­den­er­satz­an­sprü­che des Be­schwer­de­füh­rers ge­gen­über der Ge­mein­de da­für haft­bar ge­macht wer­den könn­te, lä­ge noch kein der­art schwer­wie­gen­der Ver­stoss ge­gen ei­ne Aus­stands­vor­schrift vor, dass dies die Nich­tig­keit des Aus­gangs­be­schlus­ses zur Fol­ge hät­te. Eben­so wür­de auch die gel­tend ge­mach­te “per­sön­li­che Feind­schaft” des Be­hör­den­mit­glieds ge­gen­über dem Be­schwer­de­füh­rer – wä­re sie denn hin­rei­chend er­stellt – nicht die Nich­tig­keit des Be­schlus­ses be­deu­ten, wes­halb die Ver­fü­gung nicht nich­tig sei. Aus­ser­dem sei­en Aus­stands­grün­de nach Treu und Glau­ben un­ver­züg­lich vor­zu­brin­gen, so­bald be­kannt oder ab­seh­bar sei, dass ei­ne mög­li­cher­wei­se be­fan­ge­ne Per­son an der Be­hand­lung der An­ge­le­gen­heit mit­wir­ke. Die spä­te­re Aus­stand­rü­ge sei ver­wirkt, wenn ei­ne Per­son im Wis­sen um ei­nen mög­li­chen Aus­stands­grund un­tä­tig bleibe.

Der Ent­scheid ist im Üb­ri­gen auch des­halb von In­ter­es­se, weil er klar fest­hält, dass die Be­haup­tung, der Fe­ri­en­be­zug wä­re nicht mög­lich ge­we­sen, nicht reicht. Viel­mehr muss der Ar­beit­neh­mer, der sich dar­auf be­ruft, der – im Per­so­nal­re­gle­ment zu­läs­si­ger­wei­se vor­ge­se­he­ne Ver­fall von Fe­ri­en­gut­ha­ben – sei un­recht­mäs­sig, weil ihm der Fe­ri­en­be­zug aus be­trieb­li­chen Grün­den gar nicht mög­lich ge­we­sen sei, die­sen Um­stand beweisen.

Über den Autor/die Autorin

Mirjam Barmet

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